In der konstituierenden Sitzung des Stadtrates am 03.07.2014, die letzte Sitzung meiner „Amtszeit“, oblag mir nicht nur noch die Verpflichtung der neuen Mitglieder des Gerolsteiner Stadtrates, sondern auch die Ernennung, Vereidigung und Einführung des neuen Stadtbürgermeisters.

Gerne habe ich aber in dieser Sitzung auch die Gelegenheit wahrgenommen, mich mit der nachstehenden Rede zu bedanken und zu verabschieden: 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

bevor ich jetzt gleich zu der vorgeschriebenen Ernennung und Vereidigung des neuen Stadtbürgermeisters komme, nehme ich mir die Freiheit, als „Noch-Stadtbürgermeister“ einige Worte an Sie richten.

Mit dem heutigen Tag endet meine Tätigkeit als Stadtbürgermeister und Vorsitzender des Stadtrates nach fast 4 Jahren und auch diese letzte Sitzung gehört zu meinen Aufgaben. Es haben sicherlich einige erwartet, dass ich heute nicht mehr anwesend bin, aber ich habe meine Aufgaben immer korrekt zu Ende geführt.

 

Dass die Wertung meiner Amtszeit jetzt zum Ende möglicherweise von „schade“ bis „Gott-sei-Dank“ reicht, liegt in der Natur der Sache und zwangsläufig darin begründet, dass niemand - auch ein Stadtbürgermeister - es allen Recht machen kann. Er trägt durch seine Position für alles die Verantwortung, obwohl er bei allen Entscheidungen auch nur eine Stimme wie jedes andere Ratsmitglied hat. Zudem ist das Los jeder Führungsperson: Sie kann nicht immer das tun, was gut ankommt, sondern muss das tun, worauf es ankommt. Dieser Leitsatz hat meine tägliche Arbeit in all meinen bisherigen Führungspositionen, auch als Stadtbürgermeister, geprägt.

 

Da blieb es natürlich nicht aus, dass Wünsche, auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben und im Rahmen vorgegebener Entscheidungskompetenzen, nicht erfüllt werden konnten. Dies traf Bürger, Ratsmitglieder und mich als Stadtbürgermeister gleichermaßen.

Aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Ratsmitglieder, das Leben ist kein Wunschkonzert – und, glauben Sie mir, das eines Stadtbürgermeisters erst Recht nicht !

 

Dennoch war ich gerne Stadtbürgermeister, obwohl der Job bestimmt nicht immer vergnügungssteuerpflichtig war. Es war eine schöne, nicht immer einfache Zeit, in der für mich niemals Eigen- Interessen im Vordergrund standen, sondern immer die Belange der Stadt Gerolstein.

Ich bedaure es sehr, dass es seit Beginn meiner Tätigkeit und bis zur Wahl augenscheinlich bestimmte Personen als wichtigsten Lebensinhalt sahen, mich permanent anzugreifen. Diese Angriffe fanden leider nicht auf sachlicher, sondern überwiegend auf persönlicher Ebene statt – und das ist bezeichnend. Dass darunter auch und vor allem meine Familie gelitten hat und dies zudem der Stadt Gerolstein schadete, hat diese Personen nie interessiert.

 

In diesem Zusammenhang habe ich oft an eine alte chinesische Weisheit gedacht: 

„Ehe Du über einen anderen urteilst, solltest Du eine Weile in seinen Schuhen gegangen sein“

Ich stelle heute nur fest: All diese Personen haben nie in meinen Schuhen gestanden, geschweige denn sind Sie je einen Schritt darin gegangen.

 

In der heutigen letzten Sitzung möchte ich es aber nicht versäumen, Danke zu sagen. Danke an alle Bürgerinnen und Bürger für ein gutes Miteinander und viele gute Gespräche bei vielen Gelegenheiten - mir tut keine Minute leid, die ich für sie und für die Stadt Gerolstein gearbeitet habe.

Danken möchte ich auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, die mich – wo immer sie es konnten und durften – unterstützt haben. Es war eine gute und kollegiale Zusammenarbeit.

Hier schließe ich auch unseren Revierförster Ewald Michels und natürlich alle Mitarbeiter des städt. Bauhofs unter Harald Kreis mit ein. Danke für die Zusammenarbeit und das freundschaftliche Miteinander.

Mein Dank gilt weiterhin allen Ratsmitgliedern, die mich die letzten fast 4 Jahre begleitet haben. Auch wenn es nicht immer kuschelig war und eitel Sonnenschein herrschte  – wir haben in unserer gemeinsamen Zeit enorm viel für Gerolstein erreicht.

Last but not least auch meinen besonderen Dank an die Beigeordneten. Wir haben uns fast wöchentlich getroffen und unsere intensive Zusammenarbeit war geprägt von offenem und loyalem Umgang miteinander. Danke Elke, Albert und Volker und auch – in Gedenken - Hermann Lux. Bei Monika Lux, meiner Sekretärin, werde ich mich noch persönlich bedanken, weil sie in Urlaub ist.

 

Ich freue mich jetzt auf die kommende Zeit im VG-Rat und möchte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, die mir hierfür ihre Stimme und ihr Vertrauen gegeben haben.

 

Für die nächsten Jahre, in denen – und ich weiß wovon ich rede – für Gerolstein vielfältige und zukunftsweisende Aufgaben anstehen und bewältigt werden müssen, wünsche ich allen zukünftig Verantwortlichen und der Stadt Gerolstein viel Glück.


 

Im Anschluß daran bedankte sich der noch amtierende 1. Beigeordnete Albert Müller im Namen der  Beigeordneten der Stadt Gerolstein für unsere gute Zusammenarbeit „als Team für Gerolstein“.

 

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass sich Tim Steen (Bündnis 90/Die Grünen) zu Wort meldete und ausführte, dass auch der Stadtrat sich beim scheidenden Stadtbürgermeister bedanken müsse. „Die Zusammenarbeit sei nicht immer einfach gewesen, aber Bernd May hat auch vieles bewegt und erreicht, u.a. den neuen Kindergarten – der ist zum größten Teil sein Verdienst.“

Uwe Schneider, SPD, bedankte sich ebenfalls für die gute Zusammenarbeit und wies darauf hin, dass es für einen „parteilosen“ Stadtbürgermeister schwieriger sei, Mehrheiten zu finden und davon natürlich auch die Zusammenarbeit beeinflusst werde.

Der Sinn des „2-Sätze-Statements“ des Fraktionssprechers der CDU, Helmut Hauth, hat sich mir nicht erschlossen, aber mir fiel spontan der lateinische Ausspruch ein: „ Si tacuisses philosophus mansisses“ !

 

Die anschließende Wahl der Beigeordneten möchte ich (noch) nicht kommentieren. Die Zeit wird's zeigen….

 

Im Hinblick auf meine frühere Feststellung hinsichtlich gemachter „Wahlversprechen“ ist die in der Sitzung abgegebene „einschränkende“ Erklärung des neuen Stadtbürgermeisters aber allemal bemerkenswert:

„Alles, was ich vor der Wahl versprochen habe, werde ich im Rahmen meiner Möglichkeiten einhalten“ !

 

Wieso denke ich da spontan an den unserem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zugeschriebenen Ausspruch:  „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern ? “

 

 

Bernd May