Nach diesem „Hilfeschrei-Artikel“ im TV, in dem einige persönliche Aussagen des Stadtbürgermeisters enthalten sind, habe ich mir die Frage gestellt: 

Sieht sich der Stadtbürgermeister seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen ?

 

Obwohl die gesuchte Öffentlichkeit für das Eingeständnis überrascht – überrascht das Eingeständnis  ??

 

Als Herr Bongartz sich 2014 (76-jährig) als Kandidat der CDU für das Amt des Stadtbürgermeisters bewarb, war er erst wenige Monate zuvor in diese Partei eingetreten. Gleichwohl wurde er – als Newcomer - sofort als Stadtbürgermeisterkandidat nominiert. Es war allgemein bekannt und wurde auch offen kommuniziert, dass er weder über Verwaltungskenntnisse noch über kommunalpolitische Erfahrungen verfügte. Welche Gründe, Aussagen, Versprechen etc. letztlich den Ausschlag dafür gaben, dass er trotz all dieser zweifelsfrei „ungünstigen“ Voraussetzungen kandidierte, wird wohl (s)ein ewiges Geheimnis bleiben. Aber wenn es nur ansatzweise solche Aussagen waren, die auch mir gegenüber von einem seiner Unterstützer als Argument für die Unterstützung getätigt wurde: „Wir brauchen keinen Stadtbürgermeister, der Ahnung hat. Der muss nur repräsentieren, die Arbeit machen ja andere !“, dann könnte man nicht nur ins Grübeln kommen, sondern auch die jetzige Situation verstehen. 

Möglicherweise traute sich Herr Bongartz gerade aufgrund solch zweifelhafter Darstellungen und Schönfärbereien damals die Übernahme dieses bekanntermaßen schwierigen Amtes zu und betonte mehrfach, „diesen Stress fürchte ich nicht – auch wenn es sich um einen anderen Stress handeln sollte. Meine Lebenserfahrungen haben mich gelehrt, die gewonnene Erkenntnis zu nutzen und die negativen Erlebnisse ins Positive umzusetzen“ (Interview EAZ) und „sich vorstellen könne, auch für eine 2. Amtszeit zur Verfügung zu stehen“ (Kandidatenduell im Rondell).

Zudem ging er wohl auch von der irrigen Annahme aus, ein Ehrenamt mit einer „35-Stunden-Woche“ zu übernehmen, was ein weiteres Indiz dafür wäre, dass er sich vorher nicht sehr intensiv mit der Stadtpolitik und der Tätigkeit des Stadtbürgermeisters beschäftigte, denn sonst hätte ihm gerade die zeitliche Belastung dieses Ehrenamtes bekannt sein müssen.

Mir ist kein Stadtbürgermeister-Vertrag über eine „35-Stunden-Woche“, der im  Pressebericht erwähnt ist, bekannt – ich hatte ihn jedenfalls nicht. Wenn Herr Bongartz aber von „meiner 35-Stunden-Woche“ spricht, dann muss er doch einen solchen Vertrag unterschrieben haben, oder nicht ? Kennt die Verwaltung oder der Stadtrat diesen Vertrag ? Wer ist denn der Vertragspartner des Stadtbürgermeisters ?

 

Heute, und erst knapp 2 ½ Jahre nach der Wahl, ist von Bongartz’ Euphorie und persönlicher Selbsteinschätzung augenscheinlich wenig übrig geblieben und sie weicht der Realität – der augenscheinlich bitteren Erkenntnis der Selbstüberschätzung ?

Denn anders ist es nicht zu erklären, dass der Stadtbürgermeister „schon länger über das hohe Arbeitspensum klagt“ und in der HuFa-Sitzung wiederholt, dass das so für ihn „alles nicht zu leisten ist“.

 

In Anbetracht dessen, dass Herr Bongartz „Rentner“ ist (und das bekanntlich auch schon zum Zeitpunkt seiner Kandidatur war), finde ich es merkwürdig, dass gerade er, der ja (hoffentlich) nicht zu seiner damaligen Kandidatur gezwungen oder verleitet wurde, von eigener „Überlastung“ spricht. Betrachtet man in diesem Zusammenhang chronologisch einmal nur die letzten 3 Gerolsteiner Stadtbürgermeister (ich, Karl-Heinz Schwartz, Georg Linnerth) bleibt folgendes festzustellen: Schwartz und ich waren neben ihrer/unserer Stadtbürgemeistertätigkeit zudem als Selbständige aktiv in ihrem eigenen Unternehmen tätig und Linnerth unterrichtete hauptberuflich noch als Gymnasiallehrer. Hat sich einer dieser 3 in seiner Amtszeit jemals über „Überlastung/Überforderung“ in diesem Ehrenamt (und das auch noch öffentlich !) beklagt und auf eine „35-Stunden-Woche“ verwiesen, die es weder gab noch gibt ???

 

Jedem halbwegs Interessierten dürfte klar sein, dass das Amt eines Stadtbürgermeisters kein „Zuckerschlecken“ ist. Die Tätigkeit ist beileibe kein „35-Wochenstunden-Job“, sondern ein „24-Tagesstunden-Job“, der neben hohen zeitliche Belastungen durch Verzicht auf Freizeit, unschöne Auseinandersetzungen, persönliche Anfeindungen etc. geprägt sein kann.

Wer sich für ein solches Ehrenamt und dafür entscheidet, Verantwortung für die Stadt und deren BürgerInnen zu übernehmen, der muss sich von der „Stechuhr- Mentalität“ verabschieden und nicht auf eine „35-Stunden-Woche“ pochen. Die gesetzlich festgelegte Aufwandsentschädigung (und sonst ist in dem erwähnten § 12 nichts gesetzlich geregelt) mag ein kleines Trostpflaster (oder auch notwendiges Einkommen) sein – aber sie ist oftmals sicherlich auch „Schmerzensgeld“.

 

„Millionenvorhaben“, wie Herr Hübner schreibt, hatten auch Stadträte und Stadtbürgermeister in allen vorherigen Amtszeiten zu stemmen (bei mir: z. B. Kindergarten, Sanierung „altes Rathaus“, 2. und 3. Bauabschnitt Hauptstraße, Projekt Kyllumbau und Bahnhof, Areal Gerolsteiner Brunnen, Bestattungswald Waldfriedhof, etc.) – das ist nun wirklich nichts Neues. Aber vielleicht hat Hübner ja bei den Berichterstattungen über die Projekte unter anderen Stadtbürgermeistern das Augenmerk auf andere Punkte gelegt……

 

Auch ein weiterer Punkt dieses Presseberichtes gibt zu denken, weil er leider wieder einmal eindrucksvoll die „Zusammenarbeit“ von Stadt und Verbandsgemeinde bzw. den Umgang von Bürgermeister Pauly mit der Stadt Gerolstein dokumentiert.

Wenn Stadtbürgermeister Bongartz eine neue Stelle „Controlling“ für die Stadt Gerolstein einrichten will, steht ausser Frage, dass eine solche Maßnahme – vor Ausweisung dieser neuen Stelle im Haushaltsplan - im Vorfeld mit den Fraktionen besprochen werden muss.

Aber unstrittig dürfte auch sein, dass dieser Punkt definitiv mit Bürgermeister Pauly oder seiner Verwaltung besprochen wurde, die den Haushaltsplan vorbereitet, in dessen Entwurf die neue Stelle ja letztlich Aufnahme fand. In der Sitzung eines städt. Gremiums, in der über diesen Entwurf beraten wird, aber „kassiert“ Bürgermeister Pauly diese Stelle wieder, weil er es „als rechtlich problematisch ansieht, wenn auf diese Weise eine Art städt. Verwaltung aufgebaut wird ….und die Kommunalaufsicht dies wohl kaum mittragen wird“. Warum hat Bürgermeister Pauly der Stadtspitze diese Bedenken nicht bei der Vorbereitung des HH-Planes mitgeteilt ? Warum glaubt er, das wieder in eine öffentliche Sitzung tragen zu müssen ?

 

Nachdem ich den Pressebericht gelesen hatte, musste ich unwillkürlich an einen Spruch meiner Oma mütterlicherseits (eine weise Frau !) denken, die oft feststellte: „Es gibt kein größeres Leid als das, was man sich selbst antut“ – dem ist nichts mehr hinzuzufügen ! 

 

Bernd May